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Die Hauptlenzpumpe.

Dieses Ding hat die Aufgabe, eindringendes Wasser nach einer Havarie aus dem Schiff zu pumpen oder bei Brand an Bord als Feuerlöschpumpe zu arbeiten und dieses Ding ist 50 Jahre alt und leckte an allen nur möglichen Stellen. Aber sie funktionierte!
Dann kamen wir auf die glorreiche Idee, die Pumpe zu überholen!
Ausgebaut ist sie schnell, nur die Flansche von Druck- und Saugleitung trennen, die Fundamentbolzen abnehmen und das Ganze aus der Kupplung ziehen - fertig.
Aber danach fing es schon an: die Pumpe wiegt ca. 4o Kilo und muss aus dem Maschinenraum an Oberdeck gewuchtet werden. Quer durch den Maschinenraum, um den Hilfsdiesel herum, den Niedergang zum Deckhaus hoch (Hühnerleiter) und dann an Deck. Aber 2 Leute, ein Seil und 15-silbige-Seemannsflüche haben es dann schließlich geschafft.
Danach hieß es, den Pumpkollegen auseinander zu nehmen. Alles, was nicht aus Bronze war, war entsprechend vergammelt und es half nur rohe Gewalt. Sehr hilfreich waren ein Gasbrenner, ein schwerer Hammer und jede Menge Optimismus und nach und nach hatten wir einen großen Haufen Einzelteile und die Hoffnung, den ganzen Krempel auch wieder zusammenbauen zu können.
Danach ging es ans Reinigen der einzelnen Teile: Gehäusesegmente, Welle, Schaufelräder,
Lagerböcke, Kugellager...
Alle Muttern und Bolzen wurden durch neue VA- Teile ersetzt. Die Papierdichtungen zwischen den Gehäusesegmenten waren nicht mehr erhältlich und wurden durch schweineteuren Kunststoff ersetzt.
Der Zusammenbau ging erfreulicherweise zügig und ohne großes Rätselraten vonstatten. Alles passte hervorragend! Parallel zu den Reinigungsarbeiten wurden eine Fundamenterhöhung und zwei Federkeile für die Schaufelräder angefertigt.
Anschließend wurde das Pümpchen noch lackiert und wir waren sicher, das Ding am nächsten Tag problemlos einzubauen, anzuschließen und mächtig pumpen zu lassen!
Da wir die 40 Kilo nicht wieder durchs halbe Schiff schleppen wollten, haben wir sie über den Ladebaum durch den Notausstieg Maschinenraum nach unten transportiert, war ein Klacks!
Angebaut und angeschlossen - kein Problem.
Dann langsam angelassen und hochgefahren, sie lief und war dicht, leckte nicht mehr.
Jetzt kam es drauf an, sie musste pumpen, also drücken, weil wir zuerst die Feuerlöschfunktion prüfen wollten. Seeventil auf und die Schieber der Leitungen auf Oberdeck gedreht, nach oben gehastet und den Schieber am Löschstutzen geöffnet und es schoss uns ein satter dicker Wasserstrahl entgegen! Große Freude in nassen Hosen!
Punkt 1 war erledigt. Jetzt kam Punkt 2 und zwar lenzen Schiff. Wir schalteten im Maschinenraum das 3-Wege-Ventil von drücken auf saugen um und es passierte gar nichts.
Die Pumpe lief, der Hauptlenzschieber war offen, aber das Luder saugte nicht.
Eine Fehlerbesprechung im Maschinenraum ist nicht möglich, denn um die Pumpe laufen zu lassen, muß der Hilfsdiesel laufen, weil der den Gleichstrom erzeugt, den die Pumpe braucht und der Hilfsdiesel ist verdammt laut!
Erstmal war Feierabend und bei einer Kiste Bier haben wir versucht, das Problem theoretisch zu klären. Ging aber nicht lange gut, Problem hin, Bier her und schließlich nur noch Bier her - Scheiß auf die Pumpe, kümmern wir uns Morgen drum!
Dann war Morgen und wir hatten immer noch ein Problem.
Naheliegend war der Hauptlenzschieber und wir bauten das Teil einfach mal auseinander. So einfach war das nun auch wieder nicht, denn er befindet sich unterhalb der Flurplatten.
Also die Flurplatten aufnehmen, sich in die Bilge zwischen Rohren und Leitungen einfädeln und dann den Deckel des Schiebers abnehmen. Endlich mal 12 Schrauben im Schiff, die nicht vergammelt waren! Im Dichtsitz des Schiebers befand sich ein zigarettenschachtelgroßes Stück Holz - na Klasse! Gehört da zwar nicht hin, hat aber keine Wirkung auf die Saugleistung der Pumpe! Lieber wäre uns ein verklemmter Dichtsitz gewesen, war aber nicht so.
Also musste es an der Pumpe liegen und damit an unseren Fähigkeiten, solch ein Ding wieder fachgerecht zusammen zu bauen!
Gott sei Dank ist die Saugseite der Pumpe nicht die Kupplungsseite und so konnten wir die Pumpe auf dem Fundament auseinander nehmen: Flansch der Saugleitung lösen, Außengehäuse vom Fundament lösen, Lagerbock von der Welle ziehen und das erste Gehäusesegment vom Rest der Pumpe runterprügeln.
Wir hatten den Verdacht, dass der Federkeil für das entsprechende Schaufelrad nicht da war, wo er sein sollte und somit das Schaufelrad nicht angetrieben wurde. Der Keil war aber genau da, wo er hingehörte!
Wat nu?
Nach 2 Minuten andächtigem Überlegen in totaler Stille schlugen plötzlich zwei unabhängige flache Hände an die jeweilig entsprechende Stirn: Mann, was sind wir blöd! Das erste Gehäusesegment war um 18o Grad verkehrt eingebaut, die Wassereinlassöffnung stand genau gegenüber der Auslassöffnung. Da kann selbst eine schwule Pumpe keinen Sog hinkriegen!
Ganz fix das Problem korrigiert, den Rest der Geschichte zusammengebaut und angeschlossen, den Hilfsdiesel angeschmissen und die Pumpe angelassen und hochgefahren.
Seeventil zu, Lenzventil auf und an Deck gehastet: Die Pumpe hat gelenzt... und wie!
Aus dem Borddurchlass schoss jede Menge Wasser - Lenzwasser!
Ein schönes Gefühl zu wissen, dass die wichtigste Pumpe an Bord wieder funktioniert und nicht kaputt repariert wurde!

© uwe 
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